Deutsche Grammatik

Autor: Silvan Maaß

Im Wörterbuch: Grammatik, grammatisch, deutsche Grammatik

Deutsche Grammatik - Alles was du darüber wissen musst!
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Dieser Artikel erklärt...

Wer sich mit der deutschen Sprache und ihren Regeln beschäftigt, kommt an der Grammatik nicht vorbei.

  • Hier erfahrt ihr, was Grammatik genau ist und warum sie die unverzichtbare Grundlage jeder sinnvollen Kommunikation bildet. Es wird gezeigt, aus welchen vier Teilbereichen sie besteht, nämlich Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik, und welche Aufgaben jeder dieser Bereiche übernimmt. Es wird auch dargelegt, welche zwei Perspektiven die Sprachwissenschaft auf Grammatik einnimmt, die synchrone Betrachtung eines bestimmten Zeitpunkts und die diachrone Betrachtung des historischen Wandels. Außerdem wird erklärt, wie man seine deutschen Grammatikkenntnisse gezielt verbessern kann, ohne stur Regeln zu pauken.

Interesse? Dann lies den ganzen Artikel.

Einleitung

Die deutsche Grammatik ist ein vielschichtiges Regelsystem, das die Grundlage jeder verständlichen Kommunikation bildet. Grammatikkenntnisse sind nicht nur für Nicht-Muttersprachler eine Herausforderung, sondern auch für viele Erstsprachler, die die Regeln zwar intuitiv anwenden, aber selten bewusst durchdringen. Dieser Artikel erklärt, was Grammatik ist, warum sie gebraucht wird, aus welchen Perspektiven die Sprachwissenschaft sie betrachtet und in welche Teilbereiche sie sich gliedert. Abschließend folgen praktische Tipps zur Verbesserung der eigenen Deutschkenntnisse.

1. Definition: Was ist Grammatik?

Die deutsche Grammatik (von altgriechisch: gramma = Geschriebenes) ist die Lehre der deutschen Sprache und umfasst sämtliche Regeln, die für das Sprechen und Schreiben der Sprache erforderlich sind. Als Teilgebiet der Sprachwissenschaft (Linguistik) bildet die Grammatik die Voraussetzung dafür, dass Menschen sich gegenseitig verstehen können. Einheitliche Sprachregeln schaffen die gemeinsame Basis, auf der reibungslose zwischenmenschliche Kommunikation überhaupt erst möglich wird. Der Begriff Grammatik bezeichnet dabei einerseits das Regelwerk selbst und andererseits die zugehörige Grammatiktheorie, die die Eigenschaften einer Sprache systematisch beschreibt.

2. Wozu braucht man Grammatik?

Grammatik wird gebraucht, um Gedanken sinnentsprechend auszudrücken, Missverständnisse zu vermeiden und Texte in korrekten Zeitformen zu verfassen. Ohne die passende Verbform wäre beispielsweise völlig unklar, ob sich eine Begebenheit in der Gegenwart abspielt, bereits vergangen ist oder erst in der Zukunft liegt. Sprache ohne Grammatik ist grundsätzlich nicht denkbar: Grammatik verleiht dem Gesagten Struktur, bietet Orientierung und ermöglicht inhaltliches Verstehen. Sie funktioniert wie ein Bauplan für die Sprachproduktion und zugleich wie ein Orientierungsrahmen, an dem sich Sprechende entlanghangeln können, um von ihren Gesprächspartnern verstanden zu werden.

3. Perspektiven auf die Grammatik

Die Sprachwissenschaft betrachtet die deutsche Grammatik aus zwei grundlegend verschiedenen Blickwinkeln: der Synchronie und der Diachronie. Beide Perspektiven ergänzen sich und beleuchten jeweils unterschiedliche Aspekte des Sprachsystems. Die Synchronie (von altgriechisch: syn = zusammen, chronos = Zeit) untersucht Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt, während die Diachronie (von altgriechisch: dia = hindurch) Sprache im historischen Verlauf betrachtet.

3.1 Synchronie

Die Synchronie untersucht die deutsche Sprache so, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem konkreten Zeitraum funktioniert, ohne historische Entwicklungen zu berücksichtigen. Eine typische Fragestellung im Sinne des synchronen Ansatzes wäre: Wie werden Verben im aktuellen Gegenwartsdeutsch richtig konjugiert? Im Unterschied zur Diachronie interessiert die Synchronie nicht, wie eine Sprachform entstanden ist, sondern wie sie heute verwendet wird.

3.2 Diachronie

Die Diachronie verfolgt den Ansatz, Sprache im zeitlichen Verlauf zu beobachten und grammatikalische Veränderungen im historischen Kontext zu beschreiben. Ein klassisches Beispiel für einen diachronen Forschungsgegenstand ist die grammatikalische Entwicklung vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen, also die sprachlichen Veränderungen zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit. Diachronische Analysen liefern unter anderem Grundlagen für die Etymologie, die sich mit der Herkunft und Entwicklung einzelner Wörter beschäftigt.

4. Ansätze der deutschen Grammatik

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Grammatik unterscheidet im Wesentlichen zwei Ansätze: die deskriptive (beschreibende) und die präskriptive (vorschreibende) Grammatik. Beide Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele und machen jeweils verschiedene Funktionen von Sprache sichtbar.

4.1 Deskriptive Grammatik

Die deskriptive Grammatik beschreibt Sprache so, wie sie tatsächlich verwendet wird, ohne den Sprachgebrauch zu bewerten oder Normen vorzuschreiben. Sie untersucht Sprache möglichst objektiv und hält die Gesetzmäßigkeiten fest, die sich in der realen Sprachverwendung zeigen. Richtiges oder falsches Sprechen ist dabei kein Kriterium; im Mittelpunkt steht allein die Beobachtung und Beschreibung sprachlicher Muster.

4.2 Präskriptive Grammatik

Die präskriptive Grammatik, auch normative Grammatik genannt, legt fest, welcher Sprachgebrauch als korrekt oder fehlerhaft gilt. Im Gegensatz zur deskriptiven Grammatik wertet die präskriptive Grammatik die beobachtete Sprachverwendung und misst sie an einem festgelegten Regelwerk. Schulgrammatiken und offizielle Rechtschreibregelungen sind typische Produkte des präskriptiven Ansatzes.

5. Teilbereiche und Regeln der deutschen Grammatik

Die deutsche Grammatik lässt sich in vier Teilbereiche gliedern, die jeweils eine eigene Ebene des Sprachsystems beschreiben. Alle vier Bereiche sind aufeinander bezogen und gemeinsam die Grundlage für sinnvolle, verständliche Kommunikation.

  1. Phonologie (Lautlehre)
  2. Morphologie (Formenlehre)
  3. Syntax (Satzlehre)
  4. Semantik (Bedeutungslehre)

5.1 Phonologie (Lautlehre)

Die Phonologie (von altgriechisch: phone = Laut, logos = Lehre) untersucht die Funktion von Lauten innerhalb des deutschen Sprachsystems, wobei der einzelne Laut als kleinste Einheit gesprochener Sprache gilt. Im Mittelpunkt der Phonologie steht die Frage, welche Rolle die verschiedenen Laute für die Bedeutungsunterscheidung im Deutschen spielen, wie Laute innerhalb der Sprache verteilt sind und wie aus ihnen Wörter und Bedeutungszusammenhänge entstehen. Relevant sind dabei alle Laute, die ein Mensch grundsätzlich hervorbringen kann.

Beispiele: Die Aussprache von langen im Vergleich zu kurzen Vokalen oder stimmlose versus stimmhafte Konsonanten.
Generell kann auch das IPA (Internationales Phonetisches Alphabet) als Beispiel dienen, das die Laute einer Sprache beschreibt (die IPA-Schreibweise von Haus ist: haʊ̯s).

5.2 Morphologie (Formenlehre)

Die Morphologie (altgriechisch: morphe = Gestalt, logos = Lehre) analysiert den Aufbau von Wörtern und die Formveränderungen, die Wörter durch Deklination und Konjugation durchlaufen. Sie bestimmt, aus welchen kleineren Einheiten, den Morphemen, ein Wort zusammengesetzt ist, und beschreibt die Wortarten, die Wortbildung sowie die Flexionsformen. Deklination bezeichnet dabei die Flexion von Adjektiven, Substantiven, Pronomen, Artikeln und Numeralien; Konjugation bezeichnet die Flexion von Verben.

5.3 Syntax (Satzlehre)

Die Syntax (von altgriechisch: syn = zusammen, taxis = Ordnung) ist die Satzlehre und legt fest, nach welchen Regeln Wörter zu Phrasen und vollständigen Sätzen zusammengesetzt werden. Sie bestimmt die korrekte Abfolge von Wörtern innerhalb eines Satzes und ist damit für die Satzgliederung zuständig. Ziel der Syntax ist das Bilden sinnvoller Sätze mit einer schlüssigen Abfolge aller Bestandteile. Ein einfaches Beispiel aus dem deutschen Satzbau ist der Satz "Ich mag dich.", der sich aus Subjekt (Ich), Prädikat (mag) und Objekt (dich) zusammensetzt.

5.4 Semantik (Bedeutungslehre)

Die Semantik (von altgriechisch: semainein = bezeichnen) beschäftigt sich mit der Bedeutung sprachlicher Zeichen, also von Wörtern, Satzteilen, Sätzen und Symbolen. Sie untersucht, welche Bedeutung sprachliche Äußerungen für die Sprechenden tragen und wie sich einzelne Zeichen zu sinnvollen größeren Einheiten zusammenfügen lassen. Solche übergeordneten Einheiten sind im Sinne der Grammatik vollständige Sätze, in denen alle Bedeutungsebenen zusammenwirken.

6. Wie kann man seine deutsche Grammatik verbessern?

Deutsche Grammatik lässt sich am effektivsten durch regelmäßige Praxis verbessern, nicht allein durch das Auswendiglernen von Regeln. Ob Postkarte, E-Mail oder offizielles Schreiben: Nur wer die Grammatik aktiv anwendet, kann sich wirklich unmissverständlich ausdrücken. Die folgenden fünf Methoden helfen dabei, die eigenen Deutschkenntnisse gezielt und nachhaltig zu stärken.

  1. Unterhalte dich mit Menschen, die gutes Deutsch sprechen
    Das A und O ist die Praxis: Wer sich mit Menschen umgibt, die korrektes Deutsch sprechen, prägt sich sprachliche Muster ein und spricht automatisch besser. Das müssen keine Muttersprachler sein. Auch Personen, die sprachlich ein paar Schritte voraus sind, können als Vorbild dienen. Als Orientierung weniger geeignet sind Sprechende mit starkem Dialekt oder ausgeprägter Vulgärsprache.
  2. Lies Bücher und Zeitschriften auf Deutsch
    Regelmäßiges Lesen prägt Satzbau, Wortwahl und Grammatik auf natürliche Weise. Empfehlenswert sind Bücher deutschsprachiger Autoren, die auf Anglizismen und übermäßig komplizierte Satzstrukturen verzichten. Auch illustrierte Zeitschriften, Nachrichtenseiten und Online-Magazine eignen sich gut zur Verbesserung der Grammatikkenntnisse.
  3. Lernen durch Zuhören
    Deutschsprachige Radio- oder Fernsehprogramme nebenbei laufen zu lassen ist eine effektive Methode, um Sprachgefühl zu entwickeln. Wer möchte, kann einzelne Sätze nachsprechen. Gerade beim Bügeln oder Abwaschen lässt sich auf diese Weise beiläufig Deutsch üben.
  4. Synonymwörterbuch oder "Wie sagt man noch?"
    Ein Synonymwörterbuch hilft dabei, den Sinn neuer Wörter zu erfassen, Sätze abwechslungsreicher zu gestalten und verwandte Begriffe aus demselben Wortfeld kennenzulernen. Wer kein gedrucktes Wörterbuch zur Hand hat, kann dafür auch unser kostenloses Synonymwörterbuch nutzen.
  5. Online-Übungen
    Grammatik lässt sich gut mit Online-Übungen trainieren und gemachte Fortschritte lassen sich so direkt überprüfen. Geeignete Webseiten mit Übungen oder Grammatikkursen gibt es viele. Natürlich können hierfür auch unsere interaktiven Lerntools genutzt werden.

Viel Erfolg und Freude beim Lernen!

7. Übersicht deutsche Grammatik

Die folgende Übersicht enthält einige der wichtigsten Aspekte der deutschen Grammatik und erläutert sie, um ein fundiertes Verständnis dieses komplexen Systems zu ermöglichen.

8. Wirke sofort wie ein Experte

Mit diesen Fragen signalisierst du beim nächsten Gespräch sofort, dass du weißt, wovon du redest:

  • Wusstest du, dass Grammatik in der Sprachwissenschaft zwei grundlegend verschiedene Ansätze kennt, einen der Sprache nur beschreibt ohne zu bewerten, und einen der festlegt was richtig und falsch ist?
  • Hast du gewusst, dass ohne die richtige Zeitform eines Verbs schlicht nicht klar wäre, ob sich etwas gerade ereignet, bereits passiert ist oder erst noch bevorsteht?
  • Wusstest du, dass der Begriff Grammatik sowohl das Regelwerk der Sprache selbst bezeichnet als auch die wissenschaftliche Theorie, die die Eigenschaften dieser Sprache beschreibt?

Über den Autor
Silvan Maaß ist Diplom-Kommunikationswirt (dab) sowie Mitbegründer der Sprachnudel, wodurch er sich seit 20 Jahren beinahe täglich mit theoretischer und angewandter Linguistik beschäftigt. Die Lebendigkeit der Sprache hat es ihm besonders angetan. Daher interessiert er sich insbesondere für Okkasionalismen und Neologismen - zwei kreative Themenfelder der Linguistikforschung, die in unserer Gesellschaft relevanter denn je sind.

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