Kofferwort

Autor: Silvan Maaß

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Dieser Artikel erklärt...

Wer sich mit der deutschen Sprache und ihrer Kreativität beschäftigt, kommt an Kofferwörtern nicht vorbei.

  • Hier erfahrt ihr, was ein Kofferwort genau ist und wie der Begriff durch den britischen Schriftsteller Lewis Carroll in "Alice hinter den Spiegeln" geprägt wurde. Es wird gezeigt, welcher Wortbildungsart Kofferwörter sprachwissenschaftlich zugeordnet werden und warum Experten sich darüber bis heute nicht einig sind. Es wird auch dargelegt, wofür Kofferwörter verwendet werden, etwa um neue Phänomene zu beschreiben, effizient zu kommunizieren oder Gruppenidentitäten auszudrücken. Außerdem wird erklärt, wie sie sich von verwandten Konzepten wie Derivation, Kurzwörtern oder Kunstwörtern unterscheiden.

Interesse? Dann lies den ganzen Artikel.

1. Definition: Was ist ein Kofferwort?

Ein Kofferwort - auch Portmanteau oder Schachtelwort genannt - ist ein Wort, das durch Verschmelzung von zwei oder noch mehr unabhängigen Wörtern entstanden ist, die zusammen einen inhaltlich neuen Begriff bilden. Kofferwörter verweisen also auf das Konzept des Packens von Gegenständen in einen Koffer, die sich auf Reisen miteinander vermengen.

2. Zu welcher Wortbildungsart gehört das Kofferwort?

Kofferwörter werden gebildet. Ihnen liegt also eine Wortbildungsart zugrunde. Sprachwissenschaftlich werden sie zur Komposition gezählt und von vielen Wissenschaftlern derem Untertyp Kontamination zugerechnet, bei der morphologisch betrachtet zwei Typen zu unterscheiden sind. Die Komposita, deren Einheiten keine gemeinsamen Lautfolgen haben und die daher nach Kriterien der Aussprechbarkeit verschmolzen werden, sowie die Komposita, deren Einheiten gemeinsame Laut-Buchstabenfolgen haben, in denen sie sich überschneiden. Andere Sprachwissenschaftler verorten das Kofferwort hingegen eher als Sonderform des Kompositums, was durch die häufig mangelnde Beziehung zwischen den Wörtern bzw. ihren Bedeutungen der beteiligten Ausgangslexeme erklärt wird.
Passend zu der herrschenden Divergenz kennt die Literatur im Deutschen natürlich auch zahlreiche Bezeichnungen für die Bildung von Kofferwörtern. Man spricht u.a. von Amalgamierung, Kontraktion, Wortkreuzung, Wortverschmelzung oder Zusammenziehung.

3. Woher stammt der Begriff "Kofferwort"?

Der Begriff "Kofferwort" ist ein Determinativkompositum aus den beiden Substantiven "Koffer" und "Wort". Er stammt ursprünglich aus dem Englischen und ist eine Erfindung des britischen Schriftstellers Lewis Carroll (1832-1898). Dieser nutzte ihn erstmalig in "Alice hinter den Spiegeln" aus dem Jahr 1871 - der Fortsetzung seines berühmten Kinderbuches "Alice im Wunderland". Hierin bringt Carroll seinen Lesern in Kapitel 6 "Goggelmoggel" (engl. Humpty Dumpty) das Konzept des Kofferwortes nahe, indem er es im Nonsensgedicht Jabberwocky erwähnt und Alice von "Humpty Dumpty" erklären lässt. Dieser verglich das Wort "slithy" (Zusammensetzung aus "lithe" and "slimy") auf die Frage von Alice, was das Wort denn bedeuten würde, mit einem Portmanteau (Handkoffer), der zwei Bedeutungen in einem Wort verpackt.

Jabberwocky
Twas brillig, and the slithy toves
Did gyre and gimble in the wabe;
All mimsy were the borogoves,
And the mome raths outgrabe.
Lewis Carroll (1832-1898)

4. Wozu werden Kofferwörter verwendet?

Die Verwendung von Kofferwörtern in der Sprache sind vielfältig, wie die folgende Liste verdeutlicht:

  • Kreative Ausdrucksweise: Kofferwörter ermöglichen es uns, Dinge auf kreative Weise zu beschreiben. Sie eröffnen einen Spielraum für sprachliche Innovation, etwa um komplexe Begriffe oder Zusammenhänge in einem einzigen Wort zu vereinen oder Botschaften zu transportieren (Beispiel: "Bionade", eine biologisch hergestellte Limonade). Durch die Kombination verschiedener Wörter entstehen neue Bedeutungen und Nuancen, die die Sprache bereichern.
  • Effiziente Kommunikation: Kofferwörter können dazu beitragen, Informationen schnell zu vermitteln. Da sie mehrere Wörter in einem einzigen Wort vereinen, ermöglichen sie eine kompakte Ausdrucksweise. Dies kann besonders in informellen Gesprächen, im Journalismus oder in der Werbung von Vorteil sein, um komplexe Ideen oder Konzepte auf den Punkt zu bringen.
  • Beschreibung von Phänomenen oder Trends: Kofferwörter können neue Phänomene oder Trends beschreiben, für die es zuvor keine passenden Begriffe gab. Dadurch tragen sie dazu bei, sprachliche Lücken zu füllen und neue Entwicklungen in der Gesellschaft oder Kultur zu erfassen. Oft werden sie verwendet, um technologische Innovationen, soziale Trends oder kulturelle Mischformen zu beschreiben.
  • Einfachere Kommunikation in bestimmten Kontexten: In einigen Bereichen, wie beispielsweise der Technologie, Medizin oder Wissenschaft, können Kofferwörter dazu beitragen, komplexe Fachbegriffe oder Konzepte leichter verständlich zu machen. Sie ermöglichen es Fachleuten, ihre Fachsprache in einer verständlicheren Form zu nutzen und so mit einem breiteren Publikum zu kommunizieren.
  • Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit: Kofferwörter können auch zur Bildung von Gruppenidentitäten oder zur Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft dienen. Sie können spezifische Sprachcodes oder Insiderwissen schaffen und somit eine gemeinsame Sprache und Verständnisbasis zwischen Menschen herstellen, die ähnliche Interessen, Hobbys oder Lebensstile teilen.

5. Wirke sofort wie ein Experte

Mit diesen Fragen signalisierst du beim nächsten Gespräch sofort, dass du weißt, wovon du redest:

  • Wusstest du, dass der Begriff "Kofferwort" eine Erfindung des Autors von "Alice im Wunderland" ist und erstmals 1871 in der Fortsetzung des Buches auftauchte?
  • Hast du gewusst, dass Sprachwissenschaftler bis heute uneinig sind, ob Kofferwörter zur Kontamination oder als Sonderform des Kompositums einzuordnen sind?
  • Wusstest du, dass Kofferwörter nicht nur in der Alltagssprache sondern auch in Medizin und Wissenschaft eingesetzt werden, um komplexe Fachbegriffe für ein breiteres Publikum verständlicher zu machen?

6. Abgrenzungen

Kofferwörter sollten wie folgt abgegrenzt werden, um sie richtig zu verstehen und zu nutzen:

7. Bekannte Kofferwort Beispiele

  1. Adilette (Adidas + Sandalette)
  2. Brexit (britain + exit)
  3. Bollywood (Bombay + Hollywood)
  4. Brunch (breakfast + lunch)
  5. Cheeseburger (cheese + Hamburger)
  6. Emoticon (Emotion + Icon)
  7. Infotainment (Information + Entertainment)
  8. Podcast (iPod + Broadcast)
  9. Schlepptop (schleppen + Laptop)
  10. Workaholic (work + alcoholic)

8. Kofferwort Liste

Kofferwort als Liste zum Ausdrucken

Über den Autor
Silvan Maaß ist Diplom-Kommunikationswirt (dab) sowie Mitbegründer der Sprachnudel, wodurch er sich seit 20 Jahren beinahe täglich mit theoretischer und angewandter Linguistik beschäftigt. Die Lebendigkeit der Sprache hat es ihm besonders angetan. Daher interessiert er sich insbesondere für Okkasionalismen und Neologismen - zwei kreative Themenfelder der Linguistikforschung, die in unserer Gesellschaft relevanter denn je sind.

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