Autor: Silvan Maaß
Im Wörterbuch:
Abkürzung
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Wer sich mit der deutschen Schriftsprache und ihren Konventionen beschäftigt, kommt an Abkürzungen nicht vorbei.
- Hier erfahrt ihr, was eine Abkürzung genau ist und wie sie sich von verwandten Formen wie Kurzwörtern, Kürzeln und Kunstwörtern unterscheidet. Es wird gezeigt, auf welche vier Arten Abkürzungen gebildet werden und wofür sie im Alltag, in der Medizin oder der Wirtschaft eingesetzt werden. Es wird auch dargelegt, welche Unterkategorien es gibt, von Akronymen über Silbenkurzwörter bis hin zu rekursiven Akronymen und Backronymen. Außerdem wird erklärt, welche Schreibregeln bei Punkten, Leerzeichen, Groß- und Kleinschreibung sowie beim Plural zu beachten sind.
Interesse? Dann lies den ganzen Artikel.
Einleitung
Wer genug von langen Wortkonstrukten hat, für den dürften Abkürzungen ein willkommenes Fressen sein.
Die meisten der hier verzeichneten Abkürzungen werden aber eher in geschriebener Form verwendet und gelten demnach als reine Schreiberleichterungen. Dazu zählen z. B. Chat-Abkürzungen im Internet oder Abkürzungen, die man in SMS oder E-Mails nutzt.
Eine Verwendungsvorschrift für Abkürzungen gibt es allerdings nicht. Wer seine Ausdrucksweise pimpen möchte, kann sie natürlich auch im normalen Sprachgebrauch einfließen lassen. Für Nichtkenner bleibt man dann unverstanden. Wer genau das möchte, für den gilt: Einfach in unsere umfangreiche Sammlung eintauchen!
1. Definition: Was ist eine Abkürzung?
Bei einer Abkürzung handelt es sich um die verkürzte Version (Kurzform) eines Wortes oder auch einer Wortgruppe, die ausschließlich in der Schriftsprache verwendet wird. Die Kurzform wird nicht gesprochen. Hierfür wird stets die Langform genutzt.
2. Bildung von Abkürzungen
Es gibt vier Möglichkeiten, um Abkürzungen zu bilden:
- Es wird nur der erste Buchstabe zur Abkürzung verwendet ("S." für "Seite").
- Es werden die ersten Buchstaben zur Abkürzung verwendet ("Dipl." für "Diplom").
- Es werden der erste und der letzte Buchstabe zur Abkürzung verwendet ("Dr." für "Doktor").
- Es werden mehrere - für ein Wort charakteristische Buchstaben - zur Abkürzung verwendet ("Ehzgt." für "Erzherzogtum").
Es ist demnach nicht unüblich, dass ein Wort mehrere Abkürzungen hat, die alle als korrekt gelten, wie man anhand des Wortes "Beispiel" (gebräuchliche Abkürzungen: Bsp. und Beisp.) sehen kann.
3. Wofür verwendet man Abkürzungen?
Abkürzungen erfüllen verschiedene Zwecke: Sie sparen Platz, erleichtern die Lesbarkeit und dienen manchmal der Codierung von Information, was insbesondere in medizinischen Kontexten von Ärzten und Arzthelfern verwendet wird, um Patienten während der Behandlung nicht unnötig zu verunsichern.
Für eine gelungene Kommunikation gilt: Sender und Empfänger müssen die Bedeutung einer Abkürzung kennen. Bei Unsicherheit über das Verständnis sollte man die ausgeschriebene Langform verwenden statt der Kurzform.
Fazit: Abkürzungen sparen Zeit beim Sprechen und Schreiben. Allerdings können sie in persönlichen Gesprächen distanziert oder unpersönlich wirken. Trotzdem entlasten Kurzformen die Stimme erheblich - besonders bei langen Namen wie "Annegret Kramp-Karrenbauer", die durch "AKK" deutlich einfacher auszusprechen sind.
4. Abgrenzungen
Abzugrenzen sind Abkürzungen von:
- Kurzwörtern
- Kürzel und Codes
- Durch Kürzung entstandene Kunstwörter
4.1 Kurzwörter
Kurzwörter lassen sich nach ihrer Art der Kürzung unterteilen. Es gibt drei verschiedene Kategorien:
- Unisegmental gekürzte Kurzwörter
- Multisegmental gekürzte Kurzwörter
- Partiell gekürzte Kurzwörter
4.1.1 Unisegmental gekürzte Kurzwörter
Unisegmental gekürzte Kurzwörter lassen sich sowohl von vorne als auch von hinten zusammenfassen oder mittig komprimieren. Es werden also einzelne Segmente eines Wortes gekürzt. Zu unterscheiden sind:
- Kopfwörter
- Endwörter
- Rumpfwörter
4.1.1.1 Kopfwörter
Kopfwörter bestehen aus dem Anfang ihrer Langform.
Beispiele: Demo (Demonstration), Info (Information) oder Zoo (Zoologischer Garten)
4.1.1.2 Endwörter
Endwörter bestehen aus dem Ende ihrer Langform.
Beispiele: Bine (Sabine), Bus (Omnibus) oder Cello (Violoncello)
4.1.1.3 Rumpfwörter
Rumpfwörter bestehen aus der Mitte ihrer Langform.
Beispiele: Basti (Sebastian) oder Lisa (Elisabeth)
4.1.2 Multisegmental gekürzte Kurzwörter
Multisegmental gekürzte Kurzwörter lassen sich an mehreren Segmenten eines Wortes kürzen, die nicht zusammenhängen. Hierzu zählt das Akronym mit all seinen Sonderformen.
4.1.2.1 Akronyme (Initialwörter)
Ein Akronym (abgeleitet vom griechischen Wort "akron" für "Spitze") - auch Buchstabenkurzwort genannt - ist ein aus den Anfangsbuchstaben (den Initialen) von Wörtern oder Wortgruppen gebildetes Kurzwort. Deswegen werden Akronyme häufig auch als Initialwörter bezeichnet.
Die meisten Akronyme bestehen aus drei Initialen. Zwei Initialen sind schon seltener. Vier oder mehr Initialen sehr selten.
Beispiele: MfG (Mit freundlichen Grüßen), UFO (unidentifiziertes fliegendes Objekt) oder ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen)
Es gibt einige Sonderformen der Akronyme, die wir im Folgenden aufzeigen.
- Silbenkurzwörter
- Mischkurzwörter
- Apronyme
- Backronyme
- Rekursive Akronyme
4.1.2.1.1.1 Silbenkurzwörter
Silbenkurzwörter oder Silbenwörter werden aus den Silben eines Wortes in seiner Langform zusammengesetzt. Allerdings werden die Silben hierbei nach ihrer Aussprechbarkeit geformt und nicht nach den Silbengrenzen der Langform. Daher müssen nicht unbedingt ganze Silben der Langform für das Silbenwort verwendet werden.
Beispiele: Kita (Kindertagesstätte), Kripo (Kriminalpolizei) oder Schiri (Schiedsrichter)
4.1.2.1.1.2 Mischkurzwörter
Kürzungen können auch als Mischformen auftreten. So bestehen Mischkurzwörter bzw. gemischte Kurzwörter aus einer Mischform von Initialwort und Silbenkurzwort. Hierbei können mehrere Anfangssegmente als Teile eines Kompositums (einer Zusammensetzung) oder einer Phrase zur Kurzwortbildung verwendet werden. Darüber hinaus ist die Kurzwortbildung auch aus Lauten bzw. Buchstaben aus der Mitte oder dem Ende möglich.
Beispiele: AStA (Allgemeiner Studentenausschuss), BaFöG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) oder BamS (Bild am Sonntag)
4.1.2.1.1.3 Apronyme
Apronyme sind Wörter, die bereits im Wortschatz zu finden sind und als Sonderform des Akronyms eine andere Bedeutung als Kurzwort haben.
Beispiel: "Ajax" als Kurzwort für "Asynchronus JavaScript and XML" (ein Konzept der Datenübertragung im Internet) und die Bezeichnung einer bekannten Haushaltsreinigermarke.
4.1.2.1.1.4 Backronyme
Backronyme (zusammengesetzt aus dem Englischen "back" für "rückwärts" und "Akronym") sind Wörter, die bereits als Kurzwort existierten, bevor ihre Buchstaben als Initialbuchstaben interpretiert wurden.
Beispiel: SOS (Der Notruf stammt ursprünglich nicht von "save our souls" sondern war lediglich ein einfacher Morsecode.)
4.1.2.1.1.5 Rekursive Akronyme
Rekursive Akronyme sind Initialwörter, die in ihrer Bedeutung selbst enthalten sind.
Beispiel: VISA (Visa International Service Association)
4.1.3 Partiell gekürzte Kurzwörter
Partielle Kurzwörter entstehen in der Regel aus Determinativkomposita, deren erste Einheit auf einen oder mehrere Anfangsbuchstaben gekürzt wird. Die zweite Einheit bleibt bestehen.
Beispiele: O-Ton (Originalton), U-Bahn (Untergrundbahn) oder UV-Strahlung (Ultraviolettstrahlung)
4.2 Kürzel und Codes
Ein Kürzel oder Code ist eine festgelegte Buchstabenfolge. Sie dient der Kennzeichnung und kommt in diversen Bereichen zum Einsatz.
Beispiele: Elementsymbole in der Chemie ("Na" für Natrium), Ländercodes ("DE" oder "DEU" für Deutschland) oder Währungskürzel ("EUR" für Euro)
4.3 Durch Kürzung entstandene Kunstwörter
Ein Kunstwort ist ein Wort, das nicht durch die natürliche Wortbildung einer Sprache gebildet wurde und auch nicht aus einer anderen Sprache entlehnt wurde.
Ein Kunstwort hat vorher nie mit gleicher Bedeutung existiert. Häufig werden Kunstwörter nach einer gewissen Zeit in den Wortschatz aufgenommen. Die durch Kürzung entstandenen Kunstwörter müssen ebenfalls von den Abkürzungen abgegrenzt werden.
Beispiele: Bollywood (aus "Bombay" und "Hollywood"), Jeggings (aus "Jeans" und "Leggings") oder Podcast (aus "iPod" und "Broadcast")
5. Was ist der Unterschied zwischen einer Abkürzung und seinen Abgrenzungen?
Abkürzungen werden ausschließlich als Langform ausgesprochen. Kurzwörter sowie durch Kürzung entstandene Kunstwörter haben eine eigene Lautung. Dies trifft auch auf zahlreiche Kürzel und Codes zu (Maßeinheiten, Währungskürzel usw.). Zudem verfügen Abkürzungen in der Regel über einen Abkürzungspunkt. Die Abgrenzungen dagegen nicht.
Beispiel für eine Abkürzung: Prof. (Professor)
Beispiel für ein Kurzwort: Lkw (Lastkraftwagen)
Beispiel für ein Kürzel: CHF (Schweizer Franken)
Beispiel für ein durch Kürzung entstandenes Kunstwort: IKEA (aus: Ingvar Kamprad aus Elmtaryd bei Agunnaryd)
6. Wie sind Abkürzungen entstanden?
Abkürzungen sind kein modernes Phänomen. Bereits antike Schriftstücke enthielten zahlreiche Verkürzungen. Im Mittelalter entstanden viele Abkürzungen durch Zufall, obwohl die meisten Texte auf Latein verfasst wurden. Das kaufmännische Und-Zeichen "&" entwickelte sich beispielsweise aus der Verschmelzung der Buchstaben e und t im lateinischen Wort "et" (deutsch: "und").
Abkürzungen nach der Erfindung des Buchdrucks
Die Erfindung des Buchdrucks machte den übermäßigen Gebrauch von Abkürzungen zunächst überflüssig. In der Moderne erlebten Kürzel jedoch einen regelrechten Boom.
Die Abkürzung "OK" stammt aus dem 19. Jahrhundert
Das weit verbreitete "OK" entstand bereits im 19. Jahrhundert und bedeutet "all correct" (alles korrekt). Die Abkürzung war ein Trendwort einer Zeit, in der es Mode war, Wörter absichtlich falsch nach ihrer Aussprache zu schreiben und daraus Kurzformen zu bilden.
Abkürzungen in Bürokratie und Wirtschaft
Mit dem Aufkommen moderner Bürokratie und großer Verwaltungsapparate nahm die Verwendung von Abkürzungen stark zu. Besonders Unternehmen setzten auf prägnante Kürzel: "Haribo" entstand aus "Hans Riegel Bonn", "Adidas" aus dem Namen des Gründers Adolf "Adi" Dassler. Spionage- und Geheimorganisationen im Kalten Krieg nutzten bevorzugt schwer entschlüsselbare Abkürzungen.
Englische Abkürzungen im Internet-Zeitalter
Mit der Globalisierung und weltweiten Vernetzung über das Internet kamen englische Kürzel in Mode. Im professionellen Bereich etablierte sich FAQ für "Frequently Asked Questions" (Häufig gestellte Fragen). Im privaten Sprachgebrauch verbreitete sich YOLO für "You Only Live Once" (Man lebt nur einmal) - die moderne Version des lateinischen "Carpe Diem".
Versteckte Abkürzungen im Alltag
Viele Abkürzungen sind heute so selbstverständlich, dass ihre Herkunft kaum noch bekannt ist. "Hanuta" steht für "Haselnusstafel", "Radar" für "Radio Detection and Ranging" (Funkortung und Entfernungsmessung). Diese Alltagsabkürzungen werden oft nicht mehr als Kurzformen wahrgenommen.
7. Schreibregeln - Korrektheit und Variationen bei Abkürzungen
Abkürzungen entstanden ursprünglich oft spontan aus pragmatischen Gründen. Dennoch gibt es heute feste Rechtschreibregeln und Konventionen für die korrekte Schreibweise von Abkürzungen.
Die Schreibweise von Abkürzungen unterscheidet sich hauptsächlich durch die Verwendung von Punkten und Leerzeichen. Die zentrale Regel lautet: Abkürzungen, bei denen die Aussprache durch eine Aneinanderreihung ihrer einzelnen Buchstaben erfolgt, schreibt man ohne Punkt und ohne Leerzeichen. Beispiele für diese Schreibweise sind "GmbH" (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) oder "USA" (United States of America).
- Punkte kommen immer dann zum Einsatz, wenn das Wort nicht analog zu seiner Schreibweise ausgesprochen werden kann, beispielsweise bei "d. h." ("das heißt") oder "Prof." ("Professor"). Wenn du eine Abkürzung verwendest, an deren Ende ein Punkt ist, und die Abkürzung zudem das letzte Wort des Satzes ist, musst du keinen zweiten Punkt zur Kennzeichnung des Satzendes setzen.
- Was Leerzeichen betrifft: Besteht die Abkürzung aus mehreren Wörtern, stehen zwischen den einzelnen Buchstaben schmale Leerzeichen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet hierbei "usw." für "und so weiter", das ohne Leerzeichen auskommt.
- Bezüglich der Groß- und Kleinschreibung lässt sich festhalten: So wie das ausgeschriebene Wort im Satz steht, wird es auch in der Abkürzung verwendet, zum Beispiel bei "a. D." für "außer Dienst" und "u. U." für "unter Umständen".
- Ein weiteres Feld, das mitunter Schwierigkeiten bereiten kann, ist der Plural. Genügt es, an die Mehrzahl einer Abkürzung ein simples "s" zu hängen, oder gestaltet sich das Reglement hier doch komplizierter? Gemeinhin gilt: Handelt es sich um eine männliche Abkürzung, kann, aber muss kein "s" am Ende stehen. So sind etwa für den Plural von "LKW" sowohl "die LKW" als auch "die LKWs" zulässig. Bei einem weiblichen Genus gilt dasselbe, allerdings nur, wenn Singular und Plural der Abkürzung noch klar unterschieden werden können: Bei der Mehrzahl der "TH" ("Technische Hochschule") muss folglich zur besseren Differenzierung ein "s" an den Plural zu "die THs" angehängt werden.
8. Wirke sofort wie ein Experte
Mit diesen Fragen signalisierst du beim nächsten Gespräch sofort, dass du weißt, wovon du redest:
- Wusstest du, dass das heute selbstverständliche "OK" aus dem 19. Jahrhundert stammt und ursprünglich ein Trendwort einer Zeit war, in der es Mode war, Wörter absichtlich falsch nach ihrer Aussprache zu schreiben?
- Hast du gewusst, dass "Adidas" eine Abkürzung ist, die aus dem Spitznamen "Adi" und dem Nachnamen "Dassler" des Firmengründers Adolf Dassler zusammengesetzt wurde?
- Wusstest du, dass rekursive Akronyme sich selbst in ihrer Bedeutung enthalten, wie etwa VISA, das für "Visa International Service Association" steht?
9. Abkürzungen Deutsch
Über den Autor
Silvan Maaß ist Diplom-Kommunikationswirt (dab) sowie Mitbegründer der Sprachnudel, wodurch er sich seit über 20 Jahren beinahe täglich mit theoretischer und angewandter Linguistik beschäftigt. Die Lebendigkeit der Sprache hat es ihm besonders angetan. Daher interessiert er sich insbesondere für Okkasionalismen und Neologismen - zwei kreative Themenfelder der Linguistikforschung, die in unserer Gesellschaft relevanter denn je sind.
Viele seiner Gedanken und Beobachtungen hat er im Sprachnudel-Magazin verfasst, wo er regelmäßig über sprachliche Phänomene und aktuelle Entwicklungen der deutschen Sprache schreibt.